Hyaluron verstehen – was Filler wirklich können (und was nicht)
Hyaluronsäure (=Hyaluron) ist einer der effektivsten Baustein und Produkte in der modernen ästhetischen Medizin!
Natürlichkeit, Verträglichkeit und Vielseitigkeit sind einige der einzigartigen Eigenschaften dieses Substanz. Die richtige Anwendung, also die richtige Menge in der richteigen anatomischen Schicht entscheidet über ein harmonisches, sicheres Ergebnis.
Wie Hyaluron heute hergestellt wird:
Früher wurde Hyaluron aus tierischen Quellen, aus Hahnenkämmen, gewonnen. Dies brachte ein höheres Allergierisiko und eine geringere Reinheit mit sich.
Heute wird es biotechnologisch mithilfe von bakterieller Fermentation von Streptococcus-Arten hergestellt. Das Ergebnis ist eine hochreine, vegane, verträgliche Substanz, die dem körpereigenen Hyaluron nahezu identisch ist.
Da Hyaluron natürlicherweise in unserer Haut, im Bindegewebe und in den Gelenken vorkommt, wird es vom Körper sehr gut toleriert. Diese Entwicklung hat die Hyaluron-Filler-Behandlung in den letzten Jahren deutlich sicherer gemacht.
Vernetztes vs. nicht vernetztes Hyaluron:
Der Unterschied liegt in der Struktur und damit in der Haltbarkeit und Konsistenz des Präparats.
Nicht vernetztes Hyaluron ist dünnflüssig und dient der Hautdurchfeuchtung und Revitalisierung. Es verteilt sich gleichmäßig in den oberflächlichen Hautschichten und eignet sich ideal für die sogenannte Mesotherapie bei Mund, Hals- oder Dekolletébehandlungen.
Vernetztes Hyaluron hingegen ist stabiler und viskoser (dickflüssiger). Es bleibt länger im Gewebe und eignet sich für Volumenaufbau, Konturierung und Faltenbehandlung. Die sogenannte Crosslinking-Technologie, die einigen Firmen für ihre Produkte verwenden, sorgt dafür, dass es sich nur langsam abbaut : je nach Produkt 6 – 18 Monate.
Die ästhetische Kunst besteht darin, das richtige Produkt für das richtige Areal zu wählen angepasst an Gewebedicke, Bewegung (dynamisch/statisch) und das gewünschtes Ergebnis.
Wie Hyaluron wieder aufgelöst werden kann:
Ein besonderer Vorteil gegenüber anderen Fillermaterialien ist die Möglichkeit, Hyaluron wieder aufzulösen.
Dafür verwenden wir das Enzym Hyaluronidase (Hylase). Es spaltet die Hyaluronsäureketten auf und beschleunigt den natürlichen Abbau.
Diese Option nutzen wir:
- bei Überkorrekturen oder Asymmetrien,
- bei unerwünschtem Ergebnis,
- oder im Notfall, wenn z. B. ein Gefäß versehentlich komprimiert oder okkludiert (verstopft) wird.
Das macht Hyaluron zu einem der sichersten Materialien in der Ästhetik, vorausgesetzt, es wird verantwortungsvoll eingesetzt.
Vorteile und mögliche Nachteile
Vorteile:
- Natürlich vorkommender, gut verträglicher Stoff
- Sofort sichtbarer Effekt
- Reversibel (auflösbar)
- Individuell dosierbar
- Kombinierbar mit anderen Behandlungen (z. B. Botox, PRP)
Mögliche Nachteile:
- Schwellung, Rötung oder kleine Hämatome nach der Behandlung
- In seltenen Fällen: Knötchenbildung oder ungleichmäßige Verteilung
- Sehr selten: Gefäßverschluss (Embolie) – erfordert sofortige ärztliche Intervention
Deshalb gilt: Hyaluronbehandlungen gehören ausschließlich in erfahrene ärztliche Hände mit exakter Kenntnis der Anatomie.
Komplikationen erkennen und behandeln:
Sollte tatsächlich eine Komplikation auftreten, zählt jede Minute. Eine mögliche Gefäßokklusion kann sich durch plötzliches Blasswerden, Schmerzen oder Hautverfärbung äußern.
In solchen Fällen kommen spezielle Protokolle zum Einsatz:
- sofortige Injektion von Hyaluronidase,
- Wärme, Aspirin, ggf. Massagen,
- und die sonografische Kontrolle mit Ultraschall, um Gefäßverläufe und Injektionsorte exakt zu beurteilen.
Diese strukturierte Vorgehensweise erhöht die Sicherheit erheblich und minimiert bleibende Schäden.
Techniken: stumpfe Kanüle vs. spitze Nadel
Die Wahl des Instruments bei der Behandlung ist entscheidend:
Spitze Nadel:
Ermöglicht präzise Platzierung, z. B. bei kleinen Linien oder gezielten Depots.
Nachteil: etwas höheres Risiko, Gefäße zu verletzen.
Stumpfe Kanüle:
Reduziert das Risiko für Hämatome und Gefäßverletzungen deutlich.
Besonders geeignet für sensible Areale wie Jawline, Wangen, Kinn oder Schläfen.
Die Technik wird individuell je nach Region, Ziel und Hautbeschaffenheit gewählt.
Injektionstiefe: oberflächlich oder tief?
Auch die Tiefe der Injektion hängt vom Behandlungsziel ab:
Oberflächliche Injektionen: für feine Fältchen (z. B. periorale Linien im Lippenweiß, Hals, Dekolleté)
Mitteltiefe bis tiefe Injektionen: für Volumenaufbau, Konturen und strukturelle Korrekturen (s.u.)
Je tiefer injiziert wird, desto wichtiger sind präzise Anatomiekenntnisse, insbesondere im Bereich von Gefäßverläufen.
Anwendungsgebiete & Indikationen
1. Lippen: Form, Kontur, Volumen: individuell abgestimmt, natürlich und harmonisch
2. Periorale Barcode-Fältchen um den Mund herum: feine oberflächliche Injektionen mit weichem Produkt
3. Nasolabialfalten: Hebung der Schattenzone für einen frischeren Ausdruck
4. Marionettenfalten: Anhebung der Mundwinkel, Reduktion müder Gesichtszüge
5. Kinn: Projektion, Profilharmonisierung, Definition
6. Jawline: Konturierung und Straffungseffekt
7. Mittelgesicht/Wangen: Wiederherstellung von Volumen und jugendlicher Form
8. Nase: Non-surgical Rhinoplasty, nur für erfahrene Behandler
9. Glabella & Stirn: Cave! Sehr gefährliche Zone, Injektion nur von erfahrenen Ärzt:innen mit spezieller Technik und Ultraschallkontrolle
10. Schläfe: Volumenaufbau, aber anatomisch anspruchsvoll
11. Hals & Dekolleté: Revitalisierung mit fein vernetztem Hyaluron für mehr Spannkraft und Feuchtigkeit
Fazit
Hyaluron ist für mich ein faszinierender Wirkstoff, der bei richtiger Anwendung einfach nur natürliche und harmonische Ergebnisse ermöglicht: die Patienten:innen lieben es!
Dank moderner Technologien, präziser Anatomiekenntnis und der Möglichkeit zur Auflösung ist die Behandlung heute so sicher wie nie zuvor.
Entscheidend bleibt jedoch die Erfahrung und das Feingefühl des Behandlers: denn Ästhetik ist keine Standardprozedur, sondern individuelle Kunst.
„Be your own kind of beautiful“
– Dr. Felix Cromme, Plastischer und Ästhetischer Chirurg, Hamburg –